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Die Lateinklasse 9c war zwischen 27. und 30. Mai mit den Lehrkräften Katja Vogelmann und Harald Werner auf Studienfahrt in Trier. In Otzenhausen legte die Gruppe einen Zwischenhalt ein, um vor der Bekanntschaft mit Triers römischen Sehenswürdigkeiten einen Blick auf die ortsansässige keltische Urbevölkerung zu werfen: „Cäsars Feinde sind unsere Freunde“. So stapften wir in einer Regenpause zu den Überresten einer keltischen Höhensiedlung, wo wir einiges über die Kultur der Kelten erfuhren. Anschließend sahen wir uns im kleinen Keltenpark um, einem Freilichtmuseum mit einigen nachgebauten Häusern.

Am nächsten Tag bekamen wir bei einer Stadtführung durch Trier anhand einzelner Bauwerke die Geschichte und Entwicklung dieser ältesten römischen Gründung auf deutschem Boden erläutert. Von der weltbekannten Porta Nigra, die aufgrund ihres Alters auf einem tieferen Straßenniveau steht als jüngere Bauwerke, ging’s zum mittelalterlich geprägten Marktplatz. Dort erfuhren wir von der Konkurrenz zwischen Bürgern und Klerus. Nach einem Abstecher in das ehemalige jüdische Viertel gelangten wir zum Dom St. Peter. Er wurde bereits in der Antike mit einem quadratischen Grundriss als christliches Gotteshaus auf den Fundamenten einer wesentlich größeren Palastanlage errichtet. Seine Mauersteine sind heute noch an der Außenfassade erkennbar. Auch der nächste Zeuge römischer Baukunst wird heute als Kirche genutzt: Die ehemalige Palastaula, in der die römischen Kaiser die von dieser monumentalen Architektur eingeschüchterten Kelten und Germanen empfingen, ist heute eine evangelische Kirche. Die letzte Station bildeten die Kaiserthermen, die trotz ihres Namens nie als Bad genutzt wurden, sondern noch vor ihrer Eröffnung zu einer Kaserne für römische Legionäre umgebaut und im Mittelalter sogar in die Stadtbefestigung miteinbezogen wurden. Eines ihrer großen Fenster diente damals als Stadttor. 

Frisch gestärkt fanden wir nach der Mittagspause wieder an der Porta Nigra zusammen, wo uns ein Zenturio zur Verteidigung der römischen Stadt gegen die germanischen Barbaren antreten ließ. Ausgerechnet dieses kriegerische Bauwerk wurde später zu einer christlichen Kirche umgebaut, deren Spuren sich heute noch im Gemäuer finden und überlebte so die Jahrtausende. Diese Erlebnisführung war ein echtes Highlight. 

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Am nächsten Morgen besichtigten wir die Antikenabteilung des Rheinischen Landesmuseums Trier. Nach ausführlichen Informationen über die Stadtgründung bekamen wir ein Modell des römischen Triers, riesige Wand- und Fußbodenmosaike, einen 15 Kilo schweren Goldmünzenfund und zahlreiche Grabdenkmäler zu sehen, die wir zum Teil aus unserem Lateinbuch kennen, z.B. eine Unterrichtsszene oder eine Dame, die von ihren Sklavinnen frisiert wird.

Nachmittags marschierten wir zum Amphitheater, dessen Sitzränge sich an den Petrisberg anschmiegten und schon in der Antike in die Stadtmauer einbezogen wurden. Dort erwartete uns eine weitere Erlebnisführung, ein Gladiatorentraining mit einem „echten“ lanista (Besitzer einer Gladiatorenkaserne). Er referierte halbszenisch über die Entwicklung der Gladiatorenspiele aus Beerdigungsritualen, entlarvte Kampftechniken in Filmen oder den abwärtsgeneigten Daumen des Publikums als Mythen, bevor es ernst wurde: Wir übten in der Arena rennend mit einer Stange feste Ziele zu treffen, Netze zu werfen wie der murmillo (Netzkämpfer) und testeten die Stabilität von Schilden. Wer wollte, konnte danach die „Unterwelt“, den Keller unter dem Arenaboden erkunden. Dort hatte man bei Ausgrabungen noch Teile der antiken Bühnenmaschinen gefunden, mit denen Kulissen und Kämpfer in die Arena gehoben werden konnten. 

Auf der Rückfahrt machten wir noch im Historischen Museum der Stadt Speyer Station, denn dort läuft gerade eine Ausstellung über Valentinian I. Dieser Kaiser sicherte im 4. Jh. n. Chr. die Rheingrenze des römischen Imperiums, so dass die Rheinpfalz trotz Alamannen- und Germanenüberfällen in anderen Reichsteilen eine Blütezeit erlebte. Diesen wenig bekannten Teil spätrömischer Geschichte lernten wir mit einer klug konzipierten Führung auf durchaus gymnasialen Niveau kennen. 

Neben dem fachwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bei einer Exkursion ist der gruppendynamische Aspekt mindestens genauso wichtig. Auch in dieser Hinsicht war unser Übernachtungsquartier, die Jugendherberge in Bollendorf ein Glücksfall. Da wir in der „Einöde“ der Südeifel untergebracht waren, waren die Schülerinnen und Schüler für die Freizeitgestaltung aufeinander angewiesen. Es war schön zu sehen, wie allabendlich große Runden zusammenkamen und an Tisch(tennis)spielen, Musiktiteln erraten oder Stockbrotbacken ihren Spaß hatten.

Katja Vogelmann  

 
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