Paris im Frühjahr 1794: Der König ist tot, fünf Jahre sind seit dem Sturm auf die Bastille vergangen. Man sollte meinen, alles habe sich zum Guten gewendet. Ein Trugschluss: Frankreich wird in Zeiten des Umbruchs vom Terror beherrscht, das Volk hungert noch immer, der Blutdurst scheint unstillbar. Das Guillotinieren ehemals beliebter Politiker ist keine Seltenheit mehr. Töten wie am Fließband – ein Zustand hervorgerufen durch den von Georg Danton mitbegründeten Wohlfahrtsausschuss. Das notleidende Volk kann bei diesem Drama nur sensationsgeil zusehen, staunend und handlungsunfähig zugleich. Mitten in der Szenerie befinden sich zwei Deutschkurse der Kursstufe 2 des Hermann Hesse-Gymnasiums Calw. Nein, Annette Werz und Andrea Hahn sind nicht die Erfinderinnen der lang ersehnten Zeitmaschine.
Dennoch bringen sie den Unterricht so spannend und lebhaft wie nur möglich an die Schülerinnen und Schüler ihrer Deutschkurse heran. Glücklicherweise ergatterten sie Eintrittskarten für die gut besuchte Aufführung des Dramas in vier Akten „Dantons Tod“, sodass Georg Büchners literarisches Debüt und zugleich Abiturthema 2015 im Theater Pforzheim erlebt werden konnte. Am 11. November wurden die angehenden Abiturienten Zeugen des Untergangs von Georg Danton, der anfangs resignativ und handlungsträge scheint, dann jedoch leidenschaftlich um sein Leben und das Beenden der blutigen Zeiten Frankreichs kämpft. Wie der Titel des Dramas vermuten lässt, kann sich der ehemalige Justizminister nicht gegen das korrupte System des Machtmissbrauchs durchsetzen und muss letzten Endes nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Anhänger der Guillotine opfern. Trotz des tragischen Endes bot das Theaterhaus Pforzheim eine spannende und interessante Inszenierung des Dramas.
Verfasst von Corinna Rentschler, K2 D4